Verkehrswende als Wachstums- und Innovationstreiber

Verkehr und Mobilität sind entscheidende Wirtschaftsfaktoren, von denen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region abhängt. Aber nicht nur das. Mobilität ist ein Zukunftsmarkt mit enormen Wachstums- und Innovationspotenzialen für heimische Unternehmen. Wie kann die Wirtschaftsregion Schleswig-Holstein von der Verkehrswende profitieren?

Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von SH

Das Gelingen der Verkehrswende ist für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Schleswig-Holsteins von elementarer Bedeutung

Mit einem starken Transport- und Logistiksektor und dem überaus wichtigen Tourismussektor verfügt Schleswig-Holstein über zwei Schlüsselbranchen, die maßgeblich von verkehrspolitischen Entscheidungen beeinflusst werden und diese umgekehrt selbst maßgeblich beeinflussen. Die Zukunftsfähigkeit beider Branchen wird durch zukunftsfähige Verkehrs- und Mobilitätslösungen bestimmt. Nur wenn es gelingt, die Verkehrswende sinnvoll zu gestalten, kann Schleswig-Holstein im Wettbewerb der Regionen konkurrenzfähig bleiben.

"Schleswig-Holstein besitzt wie nahezu kein anderes Bundesland die Chance, eine echte nachhaltige Verkehrswende umzusetzen. Die regenerativ erzeugten Energieformen sind in ihren Erträgen so hoch, dass zusammen mit einem erfolgreichen Energiemanagement eine CO2-freie Mobilität abgebildet werden könnte."

Zitat Studienteilnehmer

Mobilität und Verkehr sind Standortfaktoren, die insbesondere für Schleswig-Holstein mit einem starken Logistik- und Tourismussektor von elementarer Bedeutung sind. Neben dem Erhalt und Anpassung der Infrastrukturen an neue Bedarfe halten 63% der befragten Experten ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept für essenziell, um die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit Schleswig-Holsteins sicherzustellen. Zugleich kritisieren 55% der Befragten, dass das Themenfeld Mobilität und Verkehr in Schleswig-Holstein von den verantwortlichen Akteuren in der Vergangenheit unterschätzt wurde.

Die Politik in Schleswig-Holstein unterschätzt das Thema Mobilität und Verkehrswende

Die befragten Experten gehen mehrheitlich davon aus, dass die Wirtschaft ein Interesse daran hat, die Verkehrswende in Schleswig-Holstein zu gestalten und voran zu treiben. Für 69% sind wirtschaftliche Erwägungen ein treibender Faktor für die Verkehrswende.

Es verwundert nicht, dass die Teilnehmer die Verkehrswende als wichtigen Wirtschaftstreiber anerkennen. So profitieren nach ihrer Einschätzung mit Logistik und Tourismus gleich zwei Schlüsselbranchen in Schleswig-Holstein erheblich davon, wenn die Verkehrswende hierzulande gelingt. Die Auswirkungen neuer Verkehrskonzepte auf den Tourismus werden von 56% als überwiegend positiv, von 20% als sehr positiv eingeschätzt.

Im Bereich der Logistik fällt die Beurteilung ähnlich aus: 43% der Teilnehmer schätzen die Wirkung neuer Verkehrskonzepte auf die Branche als überwiegend, 20% als sehr positiv ein.

Rolle ökonomischer Erwägungen bei der Gestaltung der Verkehrswende

Tourismus: Auswirkungen neuer Verkehrskonzepte auf den Tourismus

Güterverkehr und Logistik: Einschätzung Effekte neuer Verkehrskonzepte

"Flucht nach vorn mit Pilotprojekten! Die Elektrifizierung der A1 für LKW darf nur ein Anfang sein."

Zitat Studienteilnehmer

Güterverkehr und Logistik ist als Schlüsselbranche in Schleswig-Holstein aufs Engste mit der Verkehrsentwicklung verzahnt. Mehrheitlich gehen die Experten davon aus, dass das Verkehrsvolumen im Güter- und Logistiksektor bis 2030 deutlich zunehmen wird. Davon profitiert nach Einschätzung unserer Experten auch langfristig primär der LKW-Verkehr. 80% der befragten Experten rechnen damit, dass der vollautomatisierte, elektrifizierte Güterverkehr der Zukunft nach wie vor auf der Straße stattfinden wird.

Der Güterverkehr der Zukunft ist elektrisch, voll- oder teilautonom, doch er findet nach wie vor auf der Straße statt, weil rentable Konzepte zur Wiederbelebung des Güterschienenverkehrs fehlen.


Experimentierräume für wegweisende Innovationen

Die Verkehrswende braucht Experimentierräume für die Entwicklung und Erprobung wegweisender Innovationen

Der Verkehrs- und Mobilitätssektor in Schleswig-Holstein ist immer noch stark reguliert. Die Folge: Innovative Ansätze, etwa im Bereich des öffentlichen Personenverkehrs, können nicht oder nur unzureichend erprobt werden. Oder neue Ideen und Konzepte scheitern an allzu restriktiven Vorgaben. Dabei braucht Schleswig-Holstein dringend innovative Lösungen, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Es ist Zeit, die nötigen Freiräume zu schaffen.

"Hürden in den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Produktion alternativer Kraftstoffe wie grünem Wasserstoff oder synFuels und fehlende Marktaktivierungsprogramme für die breite Technologieumsetzung sind nur zwei Beispiele für Herausforderungen zur Umsetzung innovativer Lösungen."

Zitat Studienteilnehmer

Indikatoren:

Innovationen im Verkehrssektor finden in der Regel innerhalb bestehender Strukturen statt, in denen Regulatorien den Handlungsspielraum vorgeben. Für die Entwicklung und Etablierung neuer Konzepte und Lösungen ist ein zu enger Rahmen mitunter problematisch. 92% der Teilnehmer fordern mehr Experimentierräume und größere regulatorische Freiheit zur Entwicklung innovativer Lösungen im Verkehrssektor.

Die wachsenden Anforderungen und divergierenden Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer erlauben es nicht, zukunftsfähige Lösungen auf Basis der bisherigen Verkehrsmittel und Infrastrukturen zu schaffen – wer Innovation will, muss Verkehr neu denken.

Größtes Veränderungspotenzial für den Mobilitätssektor haben innovative Geschäftsmodelle und Mobilitätsdienstleistungen, die auf die Möglichkeiten digitaler und mobiler Kommunikation setzen. Von Sharing-Angeboten über On-Demand-Services bis hin zu vollautomatisierter Schwarmmobilität findet ein Wettbewerb um die besten Lösungen und Ansätze statt.

Besondere Bedeutung hat auch hier erneut die Anbindung ländlicher Regionen an die städtischen Zentren vor dem Hintergrund einer wachsenden Anzahl an Berufspendlern. Die Organisation von Mobilitäts-Hubs nach dem bekannten Park & Ride-Prinzip, die einen Umstieg vom eigenen Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr an den Stadträndern ermöglichen, ist nur eines der Themen mit Zukunftspotenzial.

Chancen der Verkehrswende für die wirtschaftliche Entwicklung in Schleswig-Holstein: Einzelaspekte (Mehrfachnennungen waren möglich)
** Organisation des Übergangs zwischen Stadt & Land (z.B. Park-and-Ride-Services)
*** Optimierung überregionaler Verkehrsinfrastrukturen

"Was passiert mit der automatisierten Fahrfunktion, wenn ich aus der (Groß)Stadt fahre oder die Autobahn verlasse? Hier bietet sich Schleswig-Holstein aufgrund der Art und der Verteilung der Straßeninfrastruktur, der Besiedelung und der unterschiedlichsten Verkehrsströme in und durch das Land gute Voraussetzungen, um sich in die zukünftige Veränderung der Mobilität im MIV aber auch im Logistik-/Lieferverkehr einzubringen."

Zitat Studienteilnehmer

Risiken der Verkehrswende für die wirtschaftliche Entwicklung in Schleswig-Holstein: Einzelaspekte (Mehrfachnennungen waren möglich)
** Organisation des Übergangs zwischen Stadt & Land (z.B. Park-and-Ride-Services) *** Optimierung überregionaler Verkehrsinfrastrukturen

Deutlich wird jedoch vor allem, dass die etablierten Mobilitätsanbieter, wie auch die Unternehmen im Automotive-Sektor, zukünftig Konkurrenz von Unternehmen bekommen werden, die bislang im Bereich Verkehr und Mobilität nicht oder nur eingeschränkt aktiv waren.

Welche Rolle dabei innovative mittelständische Unternehmen und Startups aus Schleswig-Holstein spielen, ist bei den Studienteilnehmern umstritten. 75% der Befragten gehen davon aus, dass der regionale Mittelstand und regionale Startups profitieren können. Die Voraussetzung: Gestaltungsspielräume, um Neues auszuprobieren.

Verkehrswende und Unternehmen: Profiteure einer Verkehrswende in Schleswig-Holstein nach Unternehmenstyp

Verkehrswende und Unternehmen: Profiteure einer Verkehrswende in Schleswig-Holstein nach Unternehmenstyp


Neue Akteure mit frischen Ideen

Innovationen im Mobilitätssektor brauchen neue Akteure mit frischen Ideen und Geschäftsmodellen

Die Mobilität der Zukunft ist eine Herausforderung, die sich weder technologisch, noch politisch oder ökonomisch lösen lässt. Und auch das Denken in Branchengrenzen erweist sich immer weniger als zielführend. Innovationen im Mobilitätssektor entstehen an den Schnittstellen von Branchen, Sektoren und Technologien. Mit den etablierten Akteuren allein wird dies nicht gelingen. Daher wird es Zeit, neue Akteure in Stellung zu bringen – auch, um das Feld der Mobilität nicht allein den großen Plattformanbietern zu überlassen.

"Dem Vorbild Norwegens folgend erklärt Schleswig-Holstein, dass der gesamte Inlandsflugverkehr ab 2040 nur noch elektrisch erfolgt. Um dieses Ziel zu erreichen wird eine ambitionierte Förderung aufgelegt und rasch eine DEMO Strecke von Sylt Westerland nach Sylt Festland (Flugplatz Leck) etabliert. Betrieben mit Strom aus Nordfriesland. Flying with wind."

Zitat Studienteilnehmer

Indikatoren:

Mit den Transformationsprozessen im Mobilitätssektor und der wachsenden Bedeutung digitaler Geschäftsmodelle tauchen zunehmend Akteure auf der Bildfläche auf, die im traditionellen Mobilitätssektor über keine Historie verfügen. 78% der Befragten gehen davon aus, dass die globalen Technologie-Konzerne und Plattformanbieter zu den Gestaltern der Verkehrswende in Schleswig-Holstein gehören werden.

Verkehrswende und Unternehmen: Profiteure einer Verkehrswende in Schleswig-Holstein nach Unternehmenstyp

"Es wäre wünschenswert, Carsharing und Dörpsmobil flächendeckend und landesweit zu etablieren."

Zitat Studienteilnehmer

Ob die etablierten Anbieter ebenfalls von der Verkehrswende profitieren können, ist unter den Teilnehmern umstritten: 49% sind unentschieden, 36% rechnen nicht damit, dass auch die traditionellen Verkehrsunternehmen von der Digitalisierung der Mobilität profitieren können. Eins jedoch ist klar: ohne neue Impulse und gezielte Kooperationen mit der digitalen Wirtschaft wird es nicht funktionieren.

Verkehrswende und Unternehmen: Profiteure einer Verkehrswende in Schleswig-Holstein nach Unternehmenstyp

Die Forderung, dass die Rolle innovativer Unternehmen nicht auf die eines Nebenakteurs beschränkt bleiben darf, wird von nahezu allen Experten geteilt. Zum einen sind sie als Impuls- und Ideengeber für etablierte Player unverzichtbar, wie 77% der Teilnehme betonen. Zum anderen werden sie als Lösungsanbieter und Dienstleister (65%) oder Entwicklungspartner (31%) unmittelbar in Wertschöpfungsprozesse einbezogen. 35% sehen in innovativen digitalen Unternehmen sogar die dominierenden Akteure der Verkehrswende.

Digitalisierung und Innovation: Rolle innovativer Unternehmen und Geschäftsmodelle für die Verkehrswende

Ein besonderes Sorgenkind in Sachen Innovationsfähigkeit ist der ÖPNV. Hier ist der Innovationsbedarf am höchsten und zugleich die Hürden für die Entwicklung innovativer Lösungen am größten sind. Nach Ansicht von 88% der Befragten geht es darum, einen erweiterten Versorgungsstandard durchzusetzen, der nicht mehr an die Schülerbeförderung gebunden ist. Letztlich bietet die Verkehrswende dem öffentlichen Verkehr enorme Wachstumspotenziale und Chancen, muss sich dafür jedoch grundlegend modernisieren.

"Eine Chance wäre die Kooperation des ÖPNV und Taxigewerbes im Bereich On-Demand-Versorgung."

Zitat Studienteilnehmer

Ein zukunftsfähiger ÖPNV braucht verbindliche Standards der Versorgung, die für städtische und ländliche Räume eine verlässliche und bedarfsorientierte Anbindung sicherstellen (also von der Schülerbeförderung entkoppelt sind)